International Writer’s House Graz

Cultural City Network Graz

About us |  KultRent |  Events |  Publications |  Fellows |  photo graz |  Press |  Partners |  Contact

Kulturvermittlung --> Fellows homeback
test

Abderrahmane Bouguermouh


Presse

© IHAG

from Algerien
Writer in Exile
Dez. 2000 - Jul. 2002
Abderrahmane Bouguermouh aus der Kabylei (Nordalgerien) ist Autor und Filmregisseur und Gewinner zahlreicher Festivalpreise. Er widmet sein Leben dem Einsatz f├╝r die sprachliche und kulturelle Anerkennung seines Volkes, neben der arabisch gepr├Ągten Gesellschaft Algeriens, und war deshalb immer wieder Ziel f├╝r Angriffe der wechselnden Regierungen aber auch islamischer Fundamentalisten. Er wurde belegt mit Zensur, Arbeits- und Ausreiseverboten. Nach drei Attentatsversuchen und einer wiederholten Flucht in die Kabylei bzw. in das Ausland verl├Ąsst er 1998 Algerien und wird 2000, nach einem Aufenthalt in Deutschland, nach Graz eingeladen.


Abderrahmane Bouguermouh [artist]
La Colline Oubli├ęe - Der vergessene H├╝gel, 2002-06-12 20:00:00 [event]
Eclipse, 2002-01-17 20:00:00 [event]
Anzaa oder die Erinnerung, ISBN3-85489-076-1 [book]


25. Februar 1936 geboren in Izger Amokrane (Departm. Bejala), A1gerien

verheiratet mit Hacene Lhadj Djamila, drei Kinder

Schulausbildung am Lycee von Setif

Institut f├╝r Filmstudien, Paris

1961- 1962


Filrnregisseur bei der RT Francaise

Im Zuge der Unabh├Ąngigkeit A1geriens zur Gr├╝ndung eines nationalen
Filmzentrums aufgerufen

1963

Erste Schwierigkeiten mit der algerischen Verwaltung aufgrund seiner
Position bez├╝glich der Berber

Ausschluss aus dem nationalen Filmzentrum, das er mit anderen
Filmemachern gegr├╝ndet hatte

1965

Der entr├╝stete Kulturminister entl├Ąsst ihn ein zweites Mal

1966 -1968

Er ist arbeits- und mittellos, ein befreundeter Kunstdirektor l├Ąsst ihn eine
arch├Ąologische Dokumentarserie drehen


1968

Ein Regisseur und Leiter des nationalen Film-Zentrums w├╝nscht, dass er
ihm bei der Realisierung eines gro├čen Films helfe, den er vorbereitet; er
setzt ihn wieder in seine alten Funktionen ein.

Gleichzeitig bringt er auch einen anderen Film heraus: La grive (Die Drossel), der
zweifach ausgezeichnet wird. Jeweils als erster Preis der Festivals von
Ouadadougou und Rabat. .Der Film ist seine erste Visitenkarte als
Filmemacher.

Im gleichen Jahrwird er erneut aufgrund der Teilnahme am ersten Streik
des unabh├Ąngigen Algerien aus dem Filmzentrum ausgeschlossen. Dieser
Streik war Folge der schamlosen Ausbeutung der Arbeitenden im
Filmgesch├Ąft. Er verdankt seine Gesundheit nur einer Erhebung
algerischer Intellektueller und K├╝nstler, die mit einem Generalstreik
drohten.

1968 -1980

Es besteht allgemeines Verbot f├╝r jedermann, ihm eine intellektuelle
Arbeit anzubieten und ein Fernsehverbot. Seine Zeitungsartikel werden
ohne Erkl├Ąrung abgewiesen und Drehb├╝cher f├╝r Filme von der Zensur
abgelehnt. Der Zugang zu allen offiziellen Empf├Ąngen wird ihm verwehrt.
Er erh├Ąlt drohende und beleidigende Anrufe und wird von unbekannten
jugendlichen Rowdies geschlagen und verletzt, so dass er nicht mehr wagt,
in Algier das Haus zu verlassen.

Er fl├╝chtet sich in die Kabylei und verkriecht sich auf dem Bauernhof
seines Gro├čvaters, um alles zu vergessen. Er kann nicht einmal ins
Ausland fl├╝chten, weil man ihm weder Ausreisegenehmigung noch Pass
erteilt. Dies dr├Ąngt ihn zu einer Verst├Ąrkung seines Eintretens f├╝r die
Berber, denn dies ist der wahre Grund f├╝r die Repressalien.


Er entscheidet sich, alles schwarz auf wei├č festzuhalten. So entsteht die
Idee zu einem Roman. Als er die Hoffnung auf eine R├╝ckkehr zum Film
schon aufgegeben hat, ruft ihn Lakhdar Hamina zu sich, um ihm bei
seinem Film Chronique des annes de braise (Chronik der Jahre der
Kohlenglut) zu helfen. Dieser Film erh├Ąlt sp├Ąter die 'Goldene Palme' beim
Filmfestival von Cannes
.



Er wies ihn darauf hin, dass er nur unter zwei Bedingungen akzeptieren
w├╝rde: Erstens, dass er, angesichts der Tatsache, dass er seit langer Zeit
von niemandem Geld gesehen hatte, eine Bezahlung erhielte und zweitens,
dass er daf├╝r sorgen solle, dass er das Land nach Beendigung der
Dreharbeiten verlassen k├Ânne.

Beide Konditionen werden akzeptiert und er begibt sich mit Herz und
Seele an die Arbeit. Lakhdar Hamina hat zumindest den Mut, in
Interviews anzuerkennen, dass der Film ohne seine Hilfe nie die 'Goldene
Palme' gewonnen h├Ątte. Was die Bedingungen angeht, so hat
Bouguermouh niemals auch nur einen Pfennig f├╝r seine Arbeit erhalten
und vergebens auf die Ausreisegenehmigung gewartet. Denn Lakhdar
Hamina ist mit Pr├Ąsident Boumediene und dem Innenminister befreundet.
Er ist genauso arm auf seinen Bauernhof zur├╝ckgekehrt, um seine
Illusionen zu kultivieren.

1978 -1980

Boumediene, der Henker der Berberisants (Berbersympathisanten) ist tot.
Ein Freund, Produktionsleiter beim Fernsehen, sowie ein anderer Freund,
Kulturminister, erlauben ihm, direkt aufeinanderfolgend zwei Spielfilme
zu realisieren. Einer der Filme, der das derzeitige System und die
Einheitspartei l├Ącherlich macht, schafft es irgendwie, der Zensur zu
entgehen. Er hat eine beispiellos popul├Ąre N achwirkung und wird dem
Fernsehen nie wieder zur├╝ckgegeben. Die Begr├╝ndung lautet, dass die
Kopie verlegt worden sei. Bouguermouh hat jedoch die Vorkehrung
getroffen, ein Negativ des Films zu drehen.


Infolge der Ausstrahlung des Films findet er sich in der 'colimateur'
(Schwarze Liste) der Partei wieder, die erneut anordnet, dass er sich aus
jeglicher kultureller Produktion herauszuhalten habe. Was ihn diesmal
betr├╝bt ist, dass er einen Freund mit ins Ungl├╝ck zieht, der ihm geholfen
hat. Er wird entlassen und muss ins Exil gehen.
Der befehlshabende Kommandant der Luftfahrt, der seine
Dokumentationen gesehen hat, verlangt, dass er den Prestigefilm ├╝ber die
algerischen Piloten drehen solle. Die Dreharbeiten sind vollst├Ąndig auf
eine Frau ausgerichtet, eine Jagdpilotin. Bouguermouh steckt seine ganze
Seele in den Film.

Es ist die Zeit, in der die Frauen f├╝r die Beseitigung des Familiengesetzes,
das ihnen die Vollj├Ąhrigkeit verwehrt, k├Ąmpfen. In einer Szene zeigt er
einen Imam, der gegen die Frauen predigt: Sie k├Ânnen seiner Ansicht nach
nicht den M├Ąnnern gleich sein, weil dies ihre physische Konstitution nicht
hergebe und Satan ihrem Geschlecht innewohne; daher m├╝ssten sie von
ihrer Pubert├Ąt an eingeschlossen werden. In diesem Moment ersch├╝ttert
ein ├ťberschallflugzeug die Moschee; der Imam glaubt, es handle sich um
ein Erdbeben und fl├╝chtet. In der Luft ist eine sch├Âne junge Frau, Pilotin
der MIG. Es ist ein Film mit gro├čer ├ästhetik und tiefer Reflexion ├╝ber den
Kampf der Frauen, der aber offenkundig nicht aus den Laboratorien der
Armee herausgegangen ist -und das mit Grund, wenn man sieht, was sich
heute abspielt.

Zu seinem Gl├╝ck kann ihm der leitende Kommandant seine
Ausreisegenehmigung verschaffen. Diese erlaubt ihm, Schwierigkeiten zu
vermeiden, die ansonsten diesmal viel schlimmer gewesen w├Ąren. Er flieht
nach Frankreich.

1980

Fr├╝hling der Berber. Ganz Kabylei ist von den Bergen gestiegen, um die
Studenten zu unterst├╝tzen. Diese halten die Stra├čen von Tizi Ouzou und
die Fakult├Ąt besetzt infolge des Vorlesungsverbotes gegen├╝ber Moulou
Mammeri, Schriftsteller und F orscher , um den herum sich der Einsatz f├╝r
die Sache der Berber artikuliert.

Von jetzt an ist nichts mehr gleich. Die Machthaber wissen nun, dass ein
ganzes Volk den gemeinsamen Grund st├╝tzen wird, f├╝r den so viele
Schikanen erlitten wurden.

1988

Ganz Algerien geht auf die Stra├če, um mehr Freiheit zu fordern. Nach
einer blinden Repression, die viele Tote fordert, ist die Regierung dazu
gezwungen, nachzugeben.

Bouguermouh profitiert davon, indem er den Handlungsablauf des Films
wieder im Berberland ansiedelt.: Nach 28 Jahren des Wartens wird ihm
endlich die Erlaubnis erteilt.


1991- 1997

Er hat so viele Jahre gebraucht, um den Film La colline oubliee (Der
vergessene H├╝gel) zu realisieren. Jahre, in denen er T├╝ren einrennen
musste, um die Montage zu finanzieren. Denn die Regierung, die die
Angewohnheit hat, ihren Filmemachern hollywoodartige Mittel zur
Verf├╝gung zu stellen, lehnt es ab, einen Berberfilm zu finanzieren.
Unzufrieden dar├╝ber versucht die Regierung, ihn mit verschiedenen
Strategien zu entmutigen. Aber mit Hilfe der gesamten Kabylei, die sich
um ihn herum mobilisiert, werden alle Hindemisse beseitigt.
Der Film erscheint in Paris, der die Kritiker verwundert und die Messer
der Fundamentalisten noch mehr auf ihn richtet.

Die Fundamentalisten plakatieren auf den Mauem der Moscheen seine
Verurteilung zum Tode. Nachdem er w├Ąhrend der Dreharbeiten einem
Attentat entgangen ist, wird er, gleich nach Erscheinen des Films, in Paris
mit zwei Messerstichen verletzt.

Zur├╝ck in Algerien, fl├╝chtet er sich in die Kabylei, wo die Leute aus seiner
Stadt ein Bewachungskomitee um sein Haus aufstellen.
Und gerade in dieser prek├Ąren Situation bietet ihm die Heinrich-B├Âll-
Stiftung ein Arbeitsstipendium an und ein Visa f├╝r das Leben.
Schlie├člich nimmt ihn die Stadt Bonn f├╝r ein weiteres Stipendium f├╝r ein
Jahr auf. Zur Zeit arbeitet er an einem Drehbuch, das vom Leben des
S├Ąngers Matoub Lounes erz├Ąhlt; er wurde im Sommer 1998 ermordet -als
Bouguermouh im Heinrich-B├Âll-Haus war.

2000

Abderrahmane Boughermouh wird writer in residence in Graz.




Finanziert durch:
Kulturressort der Stadt Graz;
Abteilung f├╝r Kommunikation der Stadt Graz,
Referat f├╝r Internationale Beziehungen
supported by



Privacy policy