KULTURVERMITTLUNG
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Achtung Staatsgrenze! 

Franz Sattler

Vernissage
-------------------------------Mittwoch 12. Mai 2004 / 18.30 Uhr
» Fotogalerie im Grazer Rathaus





Erschütterungen und das Wissen um seine existenzielle Verlorenheit lassen den Menschen Grenzen setzen, räumlich und zeitlich; lassen ihn Grenze um Grenze erfahren und sie – wenn es gut geht – als Grundstimmungen von Angst erkennen und im Prozess bewusst kritischer Wahrnehmung transzendieren.
Grenze wird so zu einem „dramatischen Ort par excellence“, an dem „dumpfe Übereinstimmung mit sich selbst“ überwunden wird und Öffnung „gegenüber etwas ganz anderem“ (D. Karahasan) statt findet. Das Herausgerissenwerden aus der scheinbaren, doch ängstlich gehüteten Unerschütterlichkeit unseres Selbst, die Ermöglichung von Erkenntnis im Wechselspiel der Identitäten bewirken endlich das, was Philosophie einst genannt hat: Existenzerhellung. Vertrieben aus der wärmenden Mitte von Selbstsicherheiten, zum Grenzfall geworden im kühleren Bereich grenzhafter Marginalitätserfahrungen, erkennen wir schließlich Tod und Leiden, Kampf und Schuld als Folgen im Jahrtausende alten Verwechslungsspiel innerer und äußerer Grenzwirklichkeiten. Es galt und gilt immer noch: Die inneren Grenzen meiner Welt müssen die Grenzen meiner äußeren Welt bleiben – und sei´s durch Gewalt und Krieg. Doch Ingeborg Bachmann, selbst ein „Fall an der Grenze“, meint: „Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten.“

Wenn der Weizer Franz Sattler in seiner Fotokunst selbst zum „Grenzgänger“ wird, wird der Titel „ACHTUNG STAATSGRENZE!“ zum Experimentierfeld von Spannung und Entspannung, zum lustvollen Form- und Farbspiel im Wechsel von Ernst und Ironie. Eine bekannte Stimmung von Schwermut und Melancholie durchzieht seine Bilder, weil Niemandsland und Staatsgrenze von jeher Gefühle dieser Art evozieren. Wäre es nur das, was seine Bilder zu bieten haben, bliebe Sattler, trotz der Brillanz seiner Bilder und der Präzision seines Blicks, im Klischee. Gerade die oftmalige Hereinnahme des Kreuzes ins Bildgeschehen vermittelt dem Betrachter ein Gefühl von Unsicherheit: Wird Neues gelingen oder altes Leiden perpetuiert? Wird der Blick in eine schöne, ferne Landschaft, die jede Staatsgrenze als artifizielle Dummheit entlarvt, zum Blick in eine Zukunft, die den Stacheldrahtverhau in unseren Herzen und Hirnen zum Verschwinden bringen wird? Die etwas morbid und traurig wirkenden Objekte in Franz Sattlers Bilderwelt, die Wiedergabe von anrührender Ärmlichkeit, die mit skeptischer Freundlichkeit ins Objektiv lächelnden Beamten, die ins Weiß, Grün oder ins Bunt der jeweiligen Jahreszeit eingekleidete Natur – das alles weist den Fotokünstler Franz Sattler als den aus, der er ist: als einen Grenzgänger innerer und äußerer Stimmungen.

Mag. Wilhelm Fink


Achtung Staatsgrenze!, 2004-05-12 18:30:00 [event]





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