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Die Poesie der Höfe 

Branimir Ritonja

Vernissage
-------------------------------Mittwoch 06. Oktober 2004 / 18.30 Uhr
» Fotogalerie im Grazer Rathaus





Schöne Plätze und Häuser sind Spiegel jedes Dorfes beziehungsweise jeder Stadt. Das alles gibt ein Bild eines schönen Ortes, ein Bild, das die Touristen anlockt. Hinter diesem äußeren Antlitz verstecken sich aber Spielplätze, Höfe, Treppenhäuser, Gärten Garagen, Keller und verlassene Wohnungen, die dem Auge der Besucher oftmals versteckt bleiben. Gerade diese versteckten Winkel seines Geburtsortes Marburg untersucht Branimir Ritonja seit einem Jahr. Er dokumentiert seine Blickwinkel und individuelle Sichtweise auf Film. Mit seiner speziellen Bearbeitung in der Dunkelkammer zaubert er dann jene vergessene Orte und Zeiten der sorglosen Kindheit und sicheren Umgebung des eigenen Hofes oder Treppenhauses im Elternhaus wieder hervor. Jede aufmerksame BetrachterIn wird sich an ihre/seine Kindheit erinnern, an die Spiele im Hof, das erste Mal auf dem eigenen Fahrrad. Obwohl alle Bilder aus 2004 stammen, wirken sie so, als ob diese vor einer Ewigkeit aufgenommen worden wären, und lange Zeit auf einem Dachboden versteckt gelegen hätten. Die vergessene Zeit in den Bildern dieser Stadt ist aber trotzdem lebendig und greifbar, nur suchen muß man sie. Und dann treten wir in die Intimität dieses Ortes, in dem Branimir Ritonja lebt. In unserem ständigen Tempo sehen wir die vorbeirauschende Schönheit, die diese Stadt ausstrahlt und die mit der Anwesenheit ihrer Bewohner noch verstärkt wird, nicht. Obwohl in diesen Bildern keine Personen abgebildet sind, sind sie aber durchgehend anwesend in Geist jedes einzelnen Fotos. Die Motive und der Stil der Ausarbeitung erinnern stark an die vorherrschende photographische Stilrichtung vor rund 30 Jahren des so genannten Marburger Kreises. Die wichtigsten Vertreter dieser Richtung waren Janko Jelnikar, Branko Jernejic, Ivan Dvoršak, Zmago Jeraj um nur wenige zu nennen. Es war deren Verdienst, den Stellenwert des Mediums Photo durch extrem ausdruckstarke Werke an die anderen bildenden Künste heranzuführen. Somit entstand die Technik und Bildgestaltung der weltbekannten „Marburger schwarze Photographie“. Auf den ersten Blick zeigen sich starke Parallelen zwischen den Werken der 60er und 70er Jahre der Marburger Schule und den aktuellen Werken Branimir Ritonjas. Dennoch zeigen sich auch große Unterschiede, da Branimir Ritonja viel Intimität in seine Werke eingearbeitet hat – eine Intimität, die die Nostalgie und Erinnerung an die damalige Zeit wiedergibt, und in der gewillten BetrachterIn eine Vielzahl an Reflexionen hervorruft.

Branimir Ritonja wurde im Jahre 1961 in Maribor (Marburg) geboren, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Er graduierte an der Universität Ljubljana (Laibach) im Bereich forensische Photographie und widmete sich seit 1981 der Photokunst. Seit 1995 ist Branimir Ritonja Leiter der wichtigsten Galerie für zeitgenössische Photokunst in Marburg – der Galerie STOLP.


Die Poesie der Höfe, 2004-10-06 18:30:00 [event]





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