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Sara und Serafina 

Dzevad Karahasan liest aus seinem neuen Roman Sara und Serafina

Lesung
-------------------------------Dienstag 09. Mai 2000 / 20.00 Uhr
» Kulturzentrum bei den Minoriten

Eintritt frei





Kaum ein Gespräch mit Dzevad Karahasan, das nicht Schreiben: Schreiben im allgemeinen und sein Schreiben im besonderen streifen würde. Und Schreiben ist seinem Selbstverständnis nach vor allem Handwerk, eine gediegene Form zwar, aber eine Form von Handwerk. Im Erzählen, muss man (folgt man seiner Logik) sagen, ist er zweifelsohne Meister. Das zeigt erneut sein soeben erschienener Roman Sara und Serafina. Das vielfach verschachtelte Erzählverfahren, die sich ergänzenden elliptischen Erzählschleifen, verblüffend originelle essayistische Einschübe, erzeugen eine spezifische, Karahasans Romanen eigene Spannung.

Knapp zwanzig Minuten liegen zwischen Anfang und Ende des Buches, das in einer Zeitspirale die Geschichte von Serafina, die sich Sara nannte und ihrer jüdischen Freundin nach Auschwitz folgen wollte, erzählt – in einer Zeitspirale also, die bis ins Jahr 1942 zurückreicht. Aus der Perspektive eines alten Mannes wird die Geschichte Serafinas erzählt, deren Tochter samt Freund mit Hilfe gefälschter Taufdokumente aus dem belagerten Sarajavo herausgebracht werden soll. Die Aktion scheitert, nur die Tochter Antonija kann gehen. Die beteiligten Retter werden von Schuldgefühlen gequält. Serafina, die den Verlust - vor allem den Liebesverlust - ihrer Tochter nicht ertragen kann, beschließt zu sterben. Weit ausholend und oftmals in essayistische Rede verfallend wird klagelos und ohne Pathos vom Überleben unter permanenter Todesbedrohung erzählt und von moralischen Konflikten, die da heißen: bleiben oder gehen, leben um den Preis einer verratenen Liebe oder besser sterben, weil man nur im Tod man selbst sein kann.

>Ich begriff es, weil ich versuchte, meine Freude zu verstehen, weil ich versuchte herauszufinden, warum mich Dervos Geschichte von Sara so wahnsinnig freute. Das kam mir verrückt vor: Der Mann teilt mir mit, dass meine Freundin sich umbringen will, und ich tanze und singe, während ich mich umziehe, weil ich mich wie ein Wahnsinniger freute. Und noch im Nachsinnen über Herkunft und Wesen dieser Freude begreife ich, dass Sara sich schon in dem geistigen Raum befunden hat, wo teure Verwandte weilen, deren Tod ich nicht wirklich erfahren habe, und darum bedeutet die Nachricht, dass Sara sich umbringen will, für mich, dass sie noch immer am Leben ist, und das ist der Grund für meine übergeschnappte Freude.< (Dzevad Karahasan, Sara und Serafina)


Dževad Karahasan [artist]
Sara und Serafina, 2000-05-09 20:00:00 [event]
zur Grenze

Poetik der Grenze - Publikation [link]





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