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Zi 121 - 136 

Nachschau
Folder

von Julia Gaisbacher

Vernissage
-------------------------------Mittwoch 29. Oktober 2014 / 18.30 Uhr
» Fotogalerie im Grazer Rathaus



© Julia Gaisbacher

Nur der Blick durch ein Schlüsselloch gibt das Bildmotiv von Julia Gaisbachers Fotografien preis: Das verlorene Grün der Büropflanze vor dem Beige des Kopierers, eine Hand an einer Computermouse oder ein Ständer mit klassischen Stempeln sind im Fokus der Fotografien. Ablagefächer in gelbem und grünem Kunststoff, Lamellenvorhänge, aber auch die Aussicht auf einen Korridor mit davon abgehenden Türen definieren die Orte als die typischen Büroräume eines Amtes. Gelegentlich erhascht man den Ausschnitt einer Person. Aufgenommen und ausgestellt in den Räumen der Ämter und Servicestellen des Grazer Magistrats setzen sich die Fotografien direkt mit dem Ort auseinander und irritieren dabei gewohnte Sichtweisen. Als Bühne des öffentlichen Lebens gelten Ämter als beispielhafte Orte der sichtbaren Allgemeinheit. Im Blick durch das Schlüsselloch vermischen sich verschiedene Bereiche: Der vermeintlich intime Blick erhofft sich dabei gewöhnlich Ausschnitte aus privaten Szenen und findet hier eine behördliche Öffentlichkeit vor. In Anlehnung an Sennetts Thesen könnte man Gaisbachers Fotografien als Beschäftigung mit der „durchlässigen“ Wand begreifen; diese schafft sowohl einen hohen Grad an Sichtbarkeit als auch Barrieren – oder, wie in diesem Fall: Türen, deren Existenz das Schlüssellochmotiv betont. Schon seit den 60er Jahren lässt sich ein stetiger Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben in das Private feststellen oder – umgekehrt – eine größere Privatisierung des Öffentlichen. Sennett beschreibt es als ein Schrumpfen von gesellschaftlichen Spielräumen, die eine öffentliche Passivität zur Folge haben.

Allgemeiner könnte man auch danach fragen, was man sieht wenn man etwas sieht. Gaisbacher spielt mit dem Sehen an sich. Denn der vermeintliche Blick durch das Schlüsselloch ist ein simulierter: Eine vor das Objektiv montierte Schlüsselloch-Attrappe täuscht lediglich Intimität vor. Wenn wir feststellen, dass es etwas gibt, so der Philosoph Gianni Vattimo, geraten wir in Schwierigkeiten Beweise dafür zu liefern: Es geht um die Verfügbarkeit des Seins. Wir erkennen und erfahren das Sein als eine Bezugsgröße, die uns vor der Beliebigkeit des Grundlosen rettet – jedoch einzig im Entzug zeigt sich das Sein. (Su-Ran Sichling)


Zi 121 - 136, 2014-10-29 18:30:00 [event]





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