post Kategorie: Artikel post post10. Dezember 1948
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

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Entscheidend bin ich!

Es ist schon später Nachmittag als Menschenmengen in Richtung einer kleinen Hütte stürmten. Der König hatte sich im letzten Moment noch umentschieden und meinen Tod am Galgen bestimmt. Wie konnte ich nur denken, dass ich, ein junger Schildknappe, die Welt verändern kann? Alles fing an meinem vierzehnten Geburtstag an.

Meine Eltern, ein altes Bauernpaar, verkauften mich damals an einen strengen Ritter, der mir nicht nur Kampftechniken lehrte, sondern auch Lesen und Schreiben. Es war eine höchste Seltenheit, dass ein Junge wie ich in diesem Alter schon Lesen, geschweige denn Schreiben, konnte. Ich hatte viele Neider und wurde von meinen Altersgenossen ausgeschlossen, da ich sehr überheblich herüberkam. Meine Freizeit verbrachte ich mit dem Schreiben von Gedichten und dem Lesen von allem, was mir unter die Finger kam. Ich eignete mir sehr viel Wissen in kurzer Zeit an und fing schon früh an, über unseren König oder die Rechte des Volkes nachzudenken. Nach und nach wurde mir klar, dass es keine richtigen Rechte gab, sondern nur Vorschriften und wer gewagt hatte diese zu brechen, verschwand auf nimmer wieder sehen. Das war ein großer Schock und deshalb beschloss ich etwas zu ändern.

Mein erster Versuch in den Königspalast einzudringen scheiterte, da die Wachen mich wegen meines Herrn kannten und mich nicht durchließen. Dann fing ich an, Briefe an den König zu schreiben, doch diese schienen nie angekommen zu sein. Mein letzter Versuch bestand darin, mein Können als Schauspieler zu beweisen. Ich meldete mich für den Dorftrottelwettbewerb an, da der König höchstpersönlich die Besten auswählt und diese dann öffentlich auftreten müssen. Kaum brach der nächste Tag an, stand ich schon zwischen tausend anderen Teilnehmern in einem langen Gang, der kaum enden wollte. Nach drei Stunden langen Wartens war ich endlich an der Reihe, ich erzählte ein paar unlustige Witze und packte dann schnell meine Notizen aus, die ich über die Jahre geschrieben hatte. Ich erklärte dem König, seiner Frau und den daneben stehenden Dienern und Wachen, wie sie ihr eigenes Geld zum Wohle des Volkes nutzen könnten und dass es den Bauern noch nie so schlecht ergangen ist, wie jetzt. Missmutig beendete ich meinen letzten Satz, wartete eine Minute und verspürte plötzlich einen schrecklichen Schmerz auf meinem Hinterkopf. Ich schrie auf und aus lauter Schmerz schossen mir sofort Tränen in die Augen, die ich daraufhin schloss.

Der Schmerz war ein wenig vergangen, doch Moment. Der Raum, in dem ich aufwachte, das war nicht meine kleine Kammer. Es roch nach Schweiß und die Ruhe wurde immer wieder von schrecklichen Schreien unterbrochen. Ich befand mich in einem Verlies! War an Armen und Beinen angekettet. Anscheinend kam meine gestrige Rede nicht sonderlich gut an und wie sich später herausstellte, war der König zutiefst von meiner Meinungsäußerung getroffen und beleidigt worden. Er befahl den Wachen, mich noch heute vor aller Öffentlichkeit zu erhängen.

Ein paar Stunden später hörte ich Schritte. Sie waren schwer und sehr langsam. Vor meiner Zelle blieb die Gestalt, die ich wegen Lichtmangels nicht erkennen konnte, stehen. Doch als ich seine Stimme hörte, erkannte ich meinen Herrn. Er berichtete mir über den Zorn des Königs, dass er ihn beruhigen und mich freikaufen konnte. Als ich von meinen Ketten anschließend befreit wurde und wir in Richtung unserer Hütte gingen, hörte man plötzlich lautes Toben. Da kam schon eine riesige Menschentraube auf uns zu. Als zu uns durchdrang, dass sich der König umentschieden hatte und mich lieber tot als lebendig sehen wollte, bekam ich es mit der Angst zu tun. Doch wehren konnte ich mich schon nicht mehr, denn zwei starke Diener des Königs hatten mich gepackt und auf eine große Bühne neben einen Galgen gestellt. Das ganze kleine Dorf versammelte sich um diese Bühne. Alle schauten gespannt, was als nächstes passieren wird. Dann wurde das leise Murmeln, dass schon die ganze Zeit zu hören war, immer lauter, bis ein älterer Mann anfing zu schreien:“ Der Junge hat Recht. Wir haben wirklich keine Rechte. Das ist doch kein Leben!“ Der König stieg zornig auf die Bühne und verkündete „ Ihr, mein liebes Volk, seid da um zu arbeiten. Falls noch ein einziger es wagt, sich mir und meinen Vorschriften zu widersetzen, dem wird es ergehen, wie diesen Jungen“.

Auch wenn dies mein Todestag war, verspürte ich trotzdem etwas stolz, denn ich hatte dieses Volk zum Nachdenken gebracht und vielleicht werden sie bald schon mehr Rechte einfordern können.

Johanna geschrieben am 20. März 2009 - 14:52
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