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Sihem Bensedrine


© IHAG

aus Tunis
Writer in Exile
Jan. 2008 - Feb. 2010
1950 in Tunis geboren, Journalistin, Menschen- und Frauenrechtsaktivistin. Gründungsmitglied des „Nationalen Rats für Freiheiten“. Chefredakteurin der in Tunesien verbotenen Online-Zeitung KALIMA (Wort).
Als Galionsfigur des Widerstands gegen die Diktatur Ben Alis war sie vielfältigen Repressionen ausgesetzt; 2001 wurde sie nach Publikationen über Korruption und Folter in Tunesien inhaftiert. Nach dem Ende des zweiten Irak-Krieges reiste sie nach Bagdad und schrieb über ihre Begegnungen mit einzelnen Menschen ein Buch; darauf folgte eine von der tunesischen Regierung lancierte üble Verleumdungskampagne gegen Sihem Bensedrine.

Durch ihr Engagement für Pressefreiheit und Einhaltung der Menschenrechte wurde Sihem Bendsedrine für Ben Ali zur Gefahr. Er ordnete Repressalien gegen die Aktivistin und ihre Familie an. Jahrelange Überwachung durch die Geheimpolizei, Konfiszierung des Reisepasses von Sihem Bensedrine für 6 Jahre, Hausarrest für ihren Ehemann, öffentliche Verleumdung und tätliche Überfälle auf Frau Bensedrine, mehrmalige Gefängnisaufenthalte und Verletzungen während der Verhöre sind nur einige der Demütungen. Doch die engagierte Aktivistin gab nicht auf, nach Rückerhalt des Reisepasses reiste Sihem Bensedrine auf Einladung vieler Organisationen ins Ausland und berichtete schonungslos über die Zustände in ihrer Heimat. 2002 folgte sie einer Einladung der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte, erhielt diverse Preise für ihr Engagement und Stipendien u.a. des Deutschen P.E.N.

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Sihem Bensedrine [artist]
Kalima Tunisie [link]
Sihem Bensedrine, 2008-02-13 20:00:00 [event]
fragments - Festival der Menschenrechte, 2016-04-21 19:00:00 [event]


Auf Deutsch erschienen:
Sihem Bensedrine, Besiegte Befreite. Eine arabische Journalistin erlebt den besetzten Irak, München (Antje Kunstmann Verlag) 2004

Sihem Bensedrine, Omar Mestiri, Despoten vor Europas Haustür. Warum der Sicherheitswahn den Extremismus schürt, Munchen (Antje Kunstmann Verlag) 2005
Zusammen mit ihrem Mann Omar Mestiri hat Sihem Bensedrine u.a. das Buch „Despoten vor Europas Haustür. Wie der Sicherheitswahn den Extremismus schürt.“ geschrieben, in dem sie auch die EU kritisiert, die wie sie sagt "...die autoritären Regime in Nordafrika unterstützt. Wenn die demokratischen Staatsmänner Europas Diktatoren in Afrika tolerieren, dann dürfen sie sich nicht wundern, dass die Menschen aus diesen Staaten versuchen, nach Europa zu fliehen. Der Großteil der Bevölkerung Afrikas hat keinen Zugang zu den landeigenen Ressourcen und Geldern. Wir wandern aus, weil wir in unserer Heimat keine Zukunft haben. Und Europa ist mitverantwortlich für diese Situation....".




Seit Mitte Jänner 2008 lebt die tunesische Journalistin Frauen- und Menschenrechtsaktivistin Sihem Bensedrine mit ihrer Tochter Essia (Assia) in Graz. Eingeladen wurde sie im Rahmen des Projektes „Graz – Stadt der Zuflucht“ und wird nun als „writer in exile“ ein Jahr in Graz leben und arbeiten.

Sihem Bensedrine wurde 1950 in Tunis geboren; schon während ihrer Studienzeit in Frankreich engagierte sich Bensedrine für die Einhaltung der Menschenrechte und zeigte deren Missachtung in Tunesien auf und führte diese Arbeit dann als Journalistin für zahlreiche unabhängige Medien weiter. Keine leichte Aufgabe, denn kritische Stimmen wurden damals durch Verbote seitens der Regierung mundtot gemacht. Einen Hoffnungsschimmer gab es 1987, als Zine El Abidine Ben Ali durch einen unblutigen Putsch an die Macht kam (er ließ seinen Vorgänger als „senil“ erklären und absetzen), doch gleich nach seinem Amtsantritt als Staatspräsident wurde von Ben Ali die Pressefreiheit abgeschafft und islamistische Fundamentalisten im Land bekämpft. Seit dem 11. September 2001 hat seine Vorgangsweise auch die Zustimmung europäischer Länder und daher werden keinerlei Maßnahmen seitens der EU auch nach Bekanntwerdung massiver Missachtungen der Menschenrechte in Tunesien und anderen nordafrikanischen Ländern gesetzt.

Sihem Bensedrine ist Gründerin und Chefredakteurin der in Tunesien verbotenen Online-Zeitung /(zuerst als Printmedium geplant, doch von der Regierung wurde die Druckgenehmigung nicht erteilt) „Kalima“ (Wort), die seit 1999 online erscheint und immer wieder auf die Menschenrechtsverletzungen in Tunesien, von der politischen Unterdrückung und den alltäglichen Schikanen durch die Polizei berichtet. Weiters ist Frau Bensedrine Gründungsmitglied und Sprecherin des „Nationalen Rats für Freiheiten“ in Tunesien, und Generalsekretärin der „Beobachter zur Verteidigung der Pressefreiheit.

… „Tunesien ist ein Polizeistaat in dem es sechs mal mehr offizielle Polizisten gibt als in Frankreich, ganz zu schweigen von der allgegenwärtigen Geheimpolizei. Man kann Tunesien mit der ehemaligen DDR vergleichen. Die Menschen haben Angst, sie werden systematisch zerstört, indem an sie unterdrückt und erpresst. Ich selbst wurde mehrfach inhaftiert, mir wurde mein Reisepass für 6 Jahre abgenommen, meine Familie bedroht. So verlor mein Mann die Arbeit, Haustiere meiner Kinder wurden getötet, der Umgang mit uns wurde unseren Freunden untersagt. Meinem Mann wurde ein Prozess gemacht, der dann aufgrund der Tatsache, dass alle Vorwürfe, die mein Mann gegen eine Persönlichkeit erhoben hatte, belegt werden konnten, abgebrochen wurde - auf Antrag des Klägers. Mit internationalen Medien verfährt man so: Wenn zB Le Monde einen kritischen Artikel über Tunesien bringt, wird die komplette Auflage am Flughafen abgefangen und zurück geschickt…“

Hier in Graz wird Sihem Bensedrine ihre Internet-Zeitung weiterführen. Außerdem arbeitet Sie an einem Film mit Gesprächen über in Tunesien gefolterten Menschen. Angekommen ist sie mit viel Gepäck, unter anderem jeder Menge gesammelten Material über Menschenrechtsverletzungen in Tunesien. Dieses möchte sie hier in Graz digital verarbeiten, denn sonst würde dieses Material bei einer Heimkehr in die Heimat verloren gehen. Bei jeder Einreise nach Tunesien werden ihr Bücher, Dokumente, Fotos etc. abgenommen. Der „Begleitschutz“ durch die Staatspolizei rund um die Uhr ist ihr sicher.
Derzeit arbeitet Frau Bensedrine auch an einem Buch über den Irak, das sie gemeinsam mit dem deutschen Journalisten Marc Törner gestaltet. Beide waren zu einem Zeitpunkt im Irak, wo es dort extrem gefährlich war. Die europäischen Journalisten wurden damals größtenteils von ihren Ländern zurückbeordert.


Sihem Bensedrine stellt sich dem Grazer Publikum bei einer Lesung im Kulturzentrum bei den Minoriten am 13. Februar bei freiem Eintritt mit dem Beginn um 20. Uhr Uhr vor. Sie wird aus Ihrem Buch „Besiegte Befreite. Eine arabische Journalistin erlebt den besetzten Irak“ lesen und mit dem Redakteur Thomas Wolkinger diskutieren.
Zum großen Lesefest „NEUE TEXTE“, das am 9.3. im Kulturzentrum bei den Minoriten stattfindet, wurde Sihem Bensedrine als „special guest“ eingeladen.





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