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Eine Tafel gegen das Vergessen 

Die Errichtung einer Gedenktafel zur Erinnerung an jene Menschen, die im k. k. Zivilinterniertenlager Thalerhof bei Graz zu Tode gekommen sind, initiierte der Grazer Kulturstadtrat Karl-Heinz Herper: "Eine Tafel gegen das Vergessen ist längst notwendig und ein wichtiges Zeichen für eine Stadt wie Graz als Kulturhauptstadt Europas 2003 und als Menschenrechtsstadt, um die Geschehnisse von vor bald 100 Jahren im Bewusstsein zu erhalten."


Bis 1918 wurden die ostslawischen, ukrainisch sprechenden Reichsangehörigen amtlich als Ruthenen bezeichnet. Um 1910 lebten zirka 3,2 Millionen „Rusyny“, wie sich die Rutheninnen und Ruthenen selbst nannten, in Ostgalizien (heute in Südostpolen und der Westukraine gelegen). Galizien war eine der ärmsten Provinzen der k.u.k. Monarchie. Die russophile Haltung war oft das Resultat von Missständen. Allein der Bezug einer russischen Zeitung reichte, um als russophil zu gelten.

Galizien wurde während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) stark umkämpft. Große Teile der ruthenischen Bevölkerung wurde von der k.u.k. Armee als nicht kaisertreu eingestuft. Der Verdacht, Verräterin oder Verräter zu sein, genügte, um verfolgt zu werden. Obwohl Bürgerinnen und Bürger des eigenen Staates, waren sie Gräueltaten des Militärs ausgeliefert. Viele von ihnen wurden erschossen. Um die „Rusyny“ aus dem umkämpften Gebiet zu entfernen, wurden sie in fernen Lagern interniert.

Das Zivilinterniertenlager Thalerhof (1914-1917) war ein im Aufbau befindliches Flugfeld mit Kaserne. Anfangs gab es für die Internierten weder Unterkünfte noch Decken, es bestand keine Infrastruktur für hygienische Belange, noch gab es genügend Nahrung. Streng bewacht, durften die Internierten das Gelände nicht verlassen. Seuchen und Krankheiten rafften die Menschen dahin – eine Folge der unmenschlichen Deportation.

Etwa 30.000 „Rusyny“ waren im Lager Thalerhof interniert, 1767 Männer, Frauen und Kinder kamen zu Tode. Seit 1937 befinden sich ihre sterblichen Überreste im Ossarium am Friedhof zu Feldkirchen.



Eine Tafel gegen das Vergessen [details]
Nazar Hončar [artist]
Eine Tafel gegen das Vergessen, 2010-12-09 12:00:00 [event]







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