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„Friedensfahnen“ 12 Grazer Schulen im Hof des Landhauses  

Nachschau

21. Oktober bis 2. November 2015

Präsentation
-------------------------------Mittwoch 21. Oktober 2015 / 12.00 Uhr
» Landhaushof Graz



© Kulturvermittlung Steiermark

Friedensfahnen – Nationalfeiertag 1955
Vor 60 Jahren wurde – nach dem Staatsvertrag und nach dem Abzug der alliierten Mächte – der 26. Oktober zum Österreichischen Nationalfeiertag erklärt. Der Nationalrat beschloss am Tag davor, am 25.10.1955, einstimmig das Bundesgesetz über die Neutralität Österreichs, um „... als dauernd neutraler Staat einen wertvollen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten zu können...“ (Bundesgesetz zu Nationalfeiertag)

Friedensfahnen – Kriegsende 1945
Anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes fand im Plenarsaal der Grazer Stadthalle am 7. Mai 2015 ein Sondergemeinderat statt. Die Kulturvermittlung Steiermark hatte im Auftrag der Stadt Graz mit Schülerinnen und Schülern von zwölf Grazer Schulen Friedensfahnen gestaltet, die dann in einer Größe von 4 mal 1 Metern im Eingangsbereich der Grazer Stadthalle montiert und so einem kleinen Kreis gezeigt wurden.

Folgende Grazer Schulen haben sich an diesem Projekt beteiligt
Akademisches Gymnasium
Volksschule Brockmann
Volksschule Graz-St. Peter
Neue Mittelschule Grazer Schulschwestern
NMS BG BRG Klusemannstraße
HIB Liebenau
Modeschule Graz
Neue Mittelschule Graz-Straßgang
Bundeshandelsakademie Grazbachgasse
Bundesrealgymnasium Keplerstraße
Karl Schubert Schule
Modellschule Graz.

Die Friedensfahnen der Schulen sind sehr unterschiedlich in der Gestaltungsweise. In ihnen stecken eine Vielzahl unterschiedlicher Symbole, die von den Jugendlichen bewusst oder unbewusst eingesetzt wurden. Im Gegensatz zur Flagge ist die Fahne ein Unikat, das für einen bestimmten Zweck gefertigt wurde. Deshalb ist sie nicht austauschbar und kann auch nicht mehrfach angefertigt werden. Auf diese Weise wird deutlich, dass die Klasse und die Jugendlichen gefordert waren, etwas besonderes zu entwerfen – etwas, das ihrem Alter, ihrer Einstellung und ihren persönlichen Vorstellungen gerecht wird.

Die Farbe Weiß ergibt sich aus der Summe aller Farben und wird im europäischen Kulturkreis als die vollkommenste empfunden. Unter anderem steht sie für Sauberkeit, die Wahrheit, das Licht, das Gute sowie für Unschuld und Klugheit. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Parlamentärsflagge weiß ist, nicht nur um ihn schützend zu kennzeichnen, sondern auch darzustellen, dass von dem, der sie trägt, keine Gefahr ausgeht. So wurde die kampflose Übergabe einer Stadt oder eine Kapitulation durch das Hissen weißer Flaggen zum Ausdruck gebracht.

Die Taube ist ein uraltes Friedenssymbol. Bereits in Babylon, wo sie der Muttergottheit und Fruchtbarkeitsgöttin Ischta zugeordnet war, stand sie für Leben und Frieden. Im biblischen Kontext wurde sie zum Zeichen für den Hl. Geist, für Weisheit, Liebe und Frieden. Die weiße Taube mit einem Ölzweig im Schnabel verkündete das Ende der Sintflut und die damit verbundenen Hoffnungen. Von dieser alttestamentarischen Geschichte inspieriert, gestaltete Pablo Picasso die „Friedenstaube“ als Symbol für den Weltfriedenskongress 1949. Eine weiße Taube auf blauem Grund ist seit den 1980er Jahren ein beliebtes Zeichen der Friedensbewegung Westeuropas.

Der vorhin erwähnte Ölzweig war im antiken Griechenland und Rom eine der höchsten Auszeichnungen und gleichzeitig der begehrte Siegespreis bei den Olympischen Spielen. Gleichzeitig war er aber auch das sichtbare Zeichen für den Frieden, da es üblich war, dass Unterlegene, die um Frieden baten, Olivenzweige trugen. Die Olympischen Spiele hatten in der Antike vielmehr als heute kultisch-religiöse Bedeutung. Das Zugehörigkeitsgefühl zur gleichen Kultur und Religion war ausschlaggebend, dass alle Beteiligte aus dem Griechenland und den Kolonien anreisten. Da die Griechischen Stadtstaaten sehr zerstritten waren, war es notwendig den Olympischen Frieden auszurufen, um die Spiele und eine sichere An- und Heimreise zu ermöglichen.

Der oft symbolisch verwendete Regenbogen steht im Kontext zur Arche Noah. Gott soll ihn am Ende der Sintflut als Zeichen der Aussöhnung gesetzt haben. Die Regenbogenflagge, in Italien 1961 von Aldo Capitini für einen Friedensmarsch entworfen, zeigt den umgekehrten Farbverlauf eines Regenbogens. PACE, das italienische Wort für Frieden wurde erst später beigefügt. Die Verwendung von vielen bunten Farben, wie sie auf etlichen Grazer Friedensfahnen zu finden sind, stehen in Zusammenhang mit der Regenbogensymbolik und verweisen auf Vitalität und eine friedliche Koexistenz.

Gleichermaßen für friedliches Zusammenleben und Koexistenz steht das mosaikhafte Zusammenführen von Flaggen verschiedener Nationen aus unterschiedlichen Weltgegenden. Damit verbundene Attribute wie die befruchtende Sprachen- und Kulturvielfalt fordern Liberalität und deren bereichernde Lebensdynamik. Die zum Viktory-Zeichen geformte Hand mit gespreizten Mittel- und Zeigefinger soll ein Zeichen dafür sein, dass den sich aus dem symbolhaften Flaggenmosaik resultierenden, grenzüberschreitenden Kooperation zum Durchbruch verholfen werden soll.

Dauerhaftigkeit und Stärke vermittelt die Kette, gleichzeitig vermittelt sie aber auch das Gefühl der Gebundenheit, der Leblosigkeit und des eingesperrt seins. Oftmals ist sie auch Aufforderung zur Überwindung und Befreiung und steht als Zeichen dafür. So sind auch die gesprengten Ketten im Österreichischen Bundeswappen zu verstehen. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg an die Beine des Adlers angefügt, um die Überwindung der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1938 und 1945 zu symbolisieren.

Das Herz wird allgemein als Zeichen für Liebe und Leben verstanden, damit zusammenhängend aber auch für Ausdauer, Kraft und Durchhaltevermögen. Ein Herz, das wieder zusammengefügt wird, oder das farbenstark dargestellte Herz, sind symbolisch für Lebenswille und Überlebenskraft zu sehen, gerade dann, wenn es von einem Skelett kontrastiert wird, das für die Vergänglichkeit, das Ende und den Tod steht.

Eine offene, einer anderen Person entgegen gestreckte Handinnenfläche ist eine Distanzgeste, die eindeutig aus einer Abwehrhaltung hervorgeht. Die vielfärbigen Abdrucke von Kinderhänden sind in diesem Kontext zu sehen. In der Arbeitswelt ist diese Geste die Grundlage für das Verbotsschild „Zugang verboten“. Symbolisch hat sie eine ähnliche, wenn auch weitaus geringere inhaltliche Bedeutung wie die „Hand der Fatima“, die im islamischen Volksglauben Nordafrikas universell schützend verstanden und verwendet wird.

Das CND-Symbol, bekannt als „Peace-Zeichen“, ist sicherlich das am häufigsten verwendete Friedenssymbol. Es wurde von Gerald Holtom entwickelt und bildete sich aus der Zusammenführung zweier Zeichen aus dem Winkelalphabet: N bedeutet nuclear (nuklear) und D disarmament (Abrüstung). Zusammengestellt ergab sich ein Kreiszeichen, das senkrecht in der Mitte durch eine Linie geteilt wird, die wiederum vom Kreismittelpunkt ausgehend, nach unten mittels zwei Linien, abgestützt wird. Dieser Grundform folgend wurden unter anderem spielende Kinder als Zeichen der Friedfertigkeit und Freude dargestellt.

Lebenskraft, Fruchtbarkeit, Vitalität, Mut und Stärke werden durch den Stier vermittelt. Aber nicht nur das – auch Zorn und Tatendrang, manchmal in auch überbordender Form. Die zeichnerische Abbildung des CND-Symbols auf der Stirn eines Stieres, der noch dazu schnaubend einen Regenbogen erzeugt, vermittelt eindeutig, dass seine friedensbezogenen negativen Attribute gebannt und ins Positive überhöht wurden.

Die in Anlehnung an eine mathematische Formel gestalteten Wortkombinationen bezeugen unübersehbar, dass Friede durch Emotionen alleine nicht herzustellen ist. Vielmehr müssen Gefühle und rationales Handeln in einen sinnvollen, konstruktiven Einklang gebracht werden. Nur so kann Frieden auch längerfristig umgesetzt und erhalten werden. Und das ist wichtig, entwickelt sich dieses Wort doch aus dem althochdeutschen fridu, das soviel wie Schonung oder Freundschaft bedeutet und heute für die Abwesenheit von Feindseligkeit, Kampf und Krieg verwendet wird. Die Auflistung dieses Begriffs in einer Vielzahl anderer Sprachen ist deshalb von Bedeutung, da alle, wenn sie das Wort Frieden hören, auch das gleiche verstehen müssen. In unser multikulturellen und multinationalen Welt eine absolute Notwendigkeit.



„Friedensfahnen“ 12 Grazer Schulen im Hof des Landhauses , 2015-10-21 12:00:00 [event]
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Österreichisches Kulturforum Sarajewo, 2018-12-03 16:15:00 [event]





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